„Aber sie hatte ein schönes Kleid an……“ – Das Mörderpaar Fritz Erbe und Dorothee Buntrock

Quelle: http://www.boerde-museum-burg-ummendorf.de

Im November 1891 findet ein Spaziergänger, bzw. dessen Hund, im Wald von Neuhaldensleben die bereits stark verwesten Überreste einer Frauenleiche. Presseberichte und das Monogramm ›E. K.‹, welches sich auf der noch erhaltenen Unterwäsche der Toten befand, grenzten den Kreis der Vermissten schnell ein. Das Amtliche Wanzlebener Kreisblatt schrieb am 8. Dezember 1891, dass es sich bei der Toten um die 30-jährige Emma Kasten aus Minden handele. Emma Kasten hatte sich laut Zeugenangaben bereits im Mai 1890 nach Haldensleben begeben. Sie meldete sich auf eine Chiffre-Anzeige einer Stellenvermittlerin, die nach einer Reisebegleiterin für eine Grafenfamilie suchte. Den Bewerberinnen winkte ein üppiges Gehalt nebst guter Verpflegung. Einzige Bedingung: Die Interessentinnen müssten kurzfristig verfügbar sein. Die Spur führte schnell zu der Verfasserin der Stellenanzeige: Dorothee Buntrock. Am 8. Januar 1892 wurde Dorothee Buntrock in Osnabrück verhaftet. Zunächst stritt Dorothee Buntrock energisch ab, etwas mit dem Tod von Emma Kasten zu tun zu haben. Dumm für sie, dass sie noch anderthalb Jahre später das Kleid der Toten auftrug. Zeugen wie die Tante von Emma Kasten identifizierten das Kleidungsstück. Da gestand sie die Tat, gab jedoch an, bei dem Mord nur  ihrem damaligen Lebenspartner Fritz Erbe geholfen zu haben.

Kurz darauf  meldete sich der Hamelner Hotelier Klage bei der Polizei. Seine 17-jährige Tochter Dora Klage sei im August 1890 ebenfalls verschwunden, nachdem sie sich auf eine ähnliche Stellenanzeige gemeldet habe.  Glücklicherweise hatte der Vater Klages einen Brief der angeblichen Stellenvermittlerin aufbewahrt. Der Brief stammte aus der Feder von Dorothee Buntrock. Die Buntrock gab zu, Dora Klage aus den vier Bewerberinnen aufgrund ihres schönen Kleides ausgesucht zu haben. Sie sei mit ihr nach Eschede (Niedersachsen) gefahren, um sie dort der Grafenfamilie vorzustellen. Die ganze Fahrt über hielt sich Erbe im Hintergrund, auch während des kurzen Gaststätten-Aufenthalts.in Eschede. Allerdings fiel der Wirtstochter auf, dass Erbe immerzu die beiden Damen angestarrt habe und auch kurz nach ihnen das Restaurant verlassen habe.  Zu Fuß machten sich die Damen auf den Weg zur Grafenfamilie, an einer Weggabelung gab Dorothee Buntrock an, nicht mehr weiter zu wissen und wollte warten bis ein Passant vorbei käme den sie nach dem Weg fragen könnten. „Zufällig“ kam Fritz Erbe vorbei und bot an, die beiden zum Wohnsitz der Grafenfamilie zu begleiten. Doch dann überwältigten die beiden das Mädchen. Dorothee Buntrock (die zu diesem Zeitpunkt im Übrigen im 9. Monat schwanger war) fixierte den Oberkörper des Opfers, während Fritz Erbe es erst vergewaltigte und danach mit einem Messer tötete. Anschließend entkleideten sie die Tote, nahmen ihr den Schmuck ab und verscharrten den Leichnam unmittelbar am Tatort. Da der Schmuck nicht gleich abgehen wollte, schnitten sie dem Opfer kurzerhand Finger und Ohren ab. Ein größtenteils identischer Tatablauf ist nach Angabe der beiden Täter auch für das zweite Opfer – Emma Kasten – anzunehmen.

Ttrotz fehlenden Geständnisses konnte auch Erbe aufgrund mehrerer Zeugenaussagen und Briefe überführt werden. Beide wurden am  29. Juni 1892 vor dem Schwurgericht Magdeburg für schuldig befunden und für den »zweifachen Mord aus Habsucht« zum Tode verurteilt. Am 24. Mai 1893 wurden Dorothee Buntrock und Fritz Erbe enthauptet. Im Zuge des Prozesses kamen noch weitere Fälle ans Licht, in denen sich junge Frauen auf fingierte Annoncen des Verbrecherpaares gemeldet hatten. Aber verschiedene (glückliche) Zufälle führten scheinbar dazu, dass kein weiteres Verbrechen begangen worden war, zumindest konnte dem Paar kein weiterer Mord nachgewiesen werden.

Beide Opfer trugen kaum Bargeld oder nennenswerten Schmuck bei sich, in beiden Fällen trugen die Frauen jedoch ein schönes Kleid – dieses Tatmotiv sorgte für Unverständnis bei Justiz und Publikum während des Prozesses. Für die Buntrock waren wohl nur die Kleider der Opfer ausschlaggebend. Diese und den Schmuck  durfte sie behalten, für Fritz Erbe waren diese Dinge uninteressant. Ihm ging es wohl hauptsächlich um die, laut seiner Aussage, mit eingeplante Vergewaltigung. Ob Dorothee Buntrock gefallen am Beobachten des sexuellen Missbrauchs und der Tötung empfand oder ob sie nur den Anweisungen ihres Partners gehorchte, bleibt unklar, psychologische Gutachten waren in der damaligen Rechtsprechung meist nicht vorhanden.

Quelle: https://de.wikisource.org

Bis heute steht auf dem Escheder Friedhof der Grabstein der Dora Klage auf dessen zwei Seiten folgende Inschrift zu lesen ist:

Hier ruht in Gott
Dora Klages
geb. zu Hameln 22. März 1873
ermordet, beraubt
im Walde bei Eschede
am 13. August 1890
aufgefunden und begraben
am 21. März 1892

(und auf der Rückseite)

Unter kalten Mörderhänden
Mußte sie ihr Leben enden
Ein traurig Los war ihr beschieden
Nun ruht sie fest in Gottes Frieden

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