Die Rätselhaften Morde von Hinterkaifeck

Hofbild (Staatsarchiv München)

Mythos Hinterkaifeck

Achtung: Tatortbilder

Es ist Dienstag, der 04.04.1922. Die letzten Tage war es auf dem Einödhof der Familie Gruber/Gabriel ungewohnt ruhig. Zwei Kaffeehändler und der  Monteur  Anton Hofner haben bei ihren Besuchen niemanden angetroffen. Während Hofners  Arbeit auf dem Hof stand zwar das Scheunentor offen und der Hund war vor dem Haus angebunden, von den Bewohnern sah er allerdings niemanden. Dass die Hofbesitzerin Viktoria Gabriel und ihr Vater Andreas Gruber nicht anzutreffen sind, wundert erst mal niemanden, schließlich gibt es für die Hofbewohner auf dem Feld oder im Wald einiges zu tun. Aber auch Viktorias Mutter Cäzilie und ihre beiden Kinder Cilli und Josef sind nicht auf dem Hof anzutreffen. Dem Postboten fällt auf, das der 2jährige Josef nicht wie gewohnt in der Küche in seinem Kinderwagen schaukelt, die 7jährige Cilli wird am Samstag den 01.04,1922 in der Schule vermisst. Auch am Sonntag den 02.04,1922 fehlt die ganze Familie beim Gottesdienst.

Die Familie bewirtschaftet in der Nähe von Gröbern einen Einödhof. Andreas Gruber war einst der Knecht von seiner Frau Cäzilia, seit der Heirat hat er das Sagen. Der Hof wurde  1914 an die gemeinsame Tochter Viktoria überschrieben.  Diese heiratete im März des Jahres 1914 Karl Gabriel, der zu ihr auf den Hof zog. Die Ehe stand unter keinem glücklichem Stern. Bald nach der Heirat zog Karl Gabriel wieder zu seinen Eltern, da er wohl mit Andreas Grubers herrischen Art nicht zurechtkam, zudem gäbe es kaum etwas gescheites zum Essen, so geizig sei die Familie. Kurz darauf wurde er dann zum Wehrdienst eingezogen und fiel im Dezember1914 .Viktoria war schwanger und gebar im Januar 1915 die gemeinsame Tochter Cilli.

Viktoria Gabriel hatte es nicht einfach, als Lerche von Hinterkaifeck war sie Mitglied und 1. Stimme des Kirchenchors, sie soll eine sehr schöne Frau gewesen sein. Leider gibt es keine Fotos von ihr oder den anderen Familienmitgliedern. Im Jahr 1915 gab es eine Anklage gegen sie und ihren Vater wegen Inzest während der Jahre 1907 bis 1910, daraufhin wurde Andreas Gruber zu 1 Jahr Zuchthaus verurteilt. Ob ein Inzestverhältnis in beiderseitigem Einverständnis oder ein Missbrauch stattfand wird auch heute noch kontrovers diskutiert. Sicher kann man sagen, dass es zwei Verhandlungen wegen Blutschande gab, einmal wie gesagt 1915 und dann noch 1919 aufgrund einer Anzeige von Lorenz Schlittenbauer da Viktoria ihm gegenüber zugegeben haben soll, dass ihr Vater auch als Vater des kleinen Josef in Frage kommen könne. Überliefert wurden Aussagen von Viktoria, die sie gegenüber einer Nachbarin machte: Der Vater will immerzu Geschlechtsverkehr….. Zudem gibt es angeblich Aussagen des Andreas Gruber, der meinte: “ Moi  Tochter braucht keinen Mann mehr, dafür bin i da“. Viktoria war nicht das einzige Kind der Grubers, ihre beiden Geschwister haben ihre Kindheit nicht überlebt, was eine Folge von Misshandlung und Verwahrlosung gewesen sein soll. Angeblich habe man die Kinder tagelang im Keller eingesperrt, wo vorbeigehende das Weinen gehört haben wollen. Was davon Wahrheit und was davon Erfindung ist, kann heute nicht mehr nachvollzogen werden.

Nach dem Tod ihres Mannes Karl begann Viktoria ein Verhältnis mit Lorenz Schlittenbauer, dem Nachbarn und Ortsvorsteher von Gröbern. Aus diesem Verhältnis entstand Josef, das zweite Kind der Viktoria. Es gab einiges Hin und Her um die Vaterschaft. Angeblich sei Viktorias Vater Andreas Gruber der Vater, irgendwann jedoch erkannte Lorenz Schlittenbauer Josef als seinen Sohn an.

Obwohl die Familie etwas abgeschieden vom Dorf wohnte, und als eigenbrötlerisch verschrien waren, waren sie wohl stets hilfsbereit. Zur damaligen Zeit war der Zusammenhalt überlebenswichtig. Als der Monteur, der niemanden auf dem Hof antraf,  nun bei den Schlittenbauers darum bat, dass sie den Hinterkaifeckern ausrichten mögen dass der Motor repariert wäre, schickte Lorenz Schlittenbauer seine Söhne zum Hof um nachzusehen ob sie jemanden dort antreffen. Die beiden Jungs kamen unverrichteter Dinge zurück. Daraufhin beschloss Lorenz Schlittenbauer, selbst nachzusehen und nahm dazu seine Nachbarn Michael Pöll und Jakob Sigl mit. Auf dem Weg zum Einödhof soll er gesagt haben: „entweder haben sich alle aufgehängt oder sie wurden allesamt erschlagen.“

Auf dem Hof angekommen waren sämtliche Türen verschlossen, auch der Hund war nicht mehr im Hof angeleint, nur die Tür zum Maschinenhaus stand offen. Durch dieses Tor traten sie ins Gebäude und brachen die Türe zum Stadl auf. Im Dämmerlicht liefen sie durch den Raum in Richtung Stall und durch diesen ins Haus zu gelangen. Plötzlich stolperte Lorenz Schlittenbauer. Beim genauen Hinsehen entpuppte sich die Stolperfalle als ein Fuß, der unter einem Haufen Heu und einer darauf gelegten Holztür hervorschaute. Beim entfernen der Türe und des Heus bot sich den 3 Männern ein Bild des Grauens. Aufeinander gestapelt lagen die Leichen von Andreas Gruber und seiner Frau Cäzilie, seine Tochter Viktoria und deren Tochter Cilli. Allen vier wurde mit einer Kreuzhaue bestialisch  der Schädel eingeschlagen. Die Auffinder zogen die Leichen auseinander und veränderten somit den Tatort, die Lage der Leichen wurde erst später rekonstruiert. Während Lorenz Schlittenbauer weiter ins Haus eindrang, gingen die beiden Nachbarn durch den Hof zur Haustüre. Diese öffnete Lorenz Schlittenbauer von innen mit einem Schlüssel, der angeblich innen im Schloss gesteckt habe. Seltsam war allerdings, das ein paar Tage früher Andreas Gruber angeblich erzählte dass der einzige Hausschlüssel verschwunden sei, zudem erzählte er von Fußspuren die zum Motorenhaus, aber nicht mehr zurück führten und von seltsamen Geräuschen auf dem Dachboden.  War der Schlüssel mittlerweile wieder aufgetaucht? Im Haus selbst fanden sie den kleinen Josef erschlagen in seinem Kinderwagen im Schlafzimmer der Mutter vor, zudem noch die 44jährige Magd Maria Baumgartner, die am 31.3.1922 auf dem Hof eintraf um dort ihren Dienst zu beginnen. Aufgrund der Auffindesituation der Leichen konnte die damalige ermittelnde Polizei, die aus München anreiste, feststellen, dass die Morde in der Nacht vom 31. März und 1. April 1922 stattfanden und die Toten 4 Tage lang unentdeckt im Stadl und im Haus lagen. Ein bis heute  unbekannter Täter erschlug mit einer Reuthaue (vermutlich im Stadel) zuerst Viktoria, dann ihre Mutter, dann ihren Vater und danach ihre Tochter (Reihenfolge rekonstruiert).
Anschließend erschlägt er mit der gleichen Tatwaffe die Dienstmagd Maria Baumgartner im Magdzimmer und danach den kleinen Josef in seinem Kinderwagen im Zimmer von Viktoria.
Die Tatwaffe stammt – durch die Aussage des ehemaligen Hinterkaifecker Knechts Georg Siegl bestätigt – aus dem Besitz der Grubers.

Unter der gewissenhaften Leitung von Oberinspektor Georg Reingruber, welcher aber durch die Untersuchung rechter Fememorde in Bayern überlastet ist, wird in einem Klima wahrer Hysterie ermittelt. Mit Werkzeugen und Sensen bewaffnet streifen hunderte von Bauern durch die Wälder und suchen die Mörder. Alle Fremden wie oberschlesische Vertriebene, Hausierer und Banden werden verdächtigt.

Viele Gerüchte ranken sich um die Morde. Bis heute konnte nicht aufgeklärt werden, wer die Morde verübt hat. Verdächtige gab und gibt es einige, der endgültige Beweis allerdings fehlt. Es ist die Reden von einer Gaunerbande, von Karl Gabriel, der seinen Tod nur vorgetäuscht haben soll und sich gerächt haben soll. Die Familie Gabriel, also Karls Eltern, stehen ebenfalls im Verdacht um aus Habgier gemordet zu haben, ebenso wird eine Feme-Mord in Erwägung gezogen. Lorenz Schlittenbauer ist der Lieblingsverdächtige von vielen. Gerade seine Verdächtigung wird heute noch in verschiedenen Foren sehr kontrovers diskutiert. Schwierig macht das Ganze, das viele Ermittlungsakten im Jahr 1944 bei einem Brand vernichtet wurden, allerdings gibt es wohl noch einige Akten die unsortiert und ungesichtet in Archiven liegen. Was und wie genau die Polizei damals ermittelte, ist somit unklar. Schnell stand für Reingruber allerdings fest, dass es ich hierbei nur um einen Raubmord handeln konnte, es gibt Fahndungsplakate aus der Zeit. Allerdings sprachen das gefunden Geld und der Schmuck dagegen. Die Grubers waren für ihre Zeit ausgesprochen reiche Leute. Die Täter ließen aber große Geldsummen unangetastet . Zudem sind viele der Meinung, dass das Vieh der Familie in den Tagen nach den Morden noch gefüttert worden sein müsste. Zwar waren die Tiere in einem schlechten Zustand, aber nicht so schlecht als dass sie 3 oder 4 Tage lang nicht getränkt und gefüttert worden wären.

Fahndungsplakat (Staatsarchiv München)

Hat tatsächlich jemand in den Tagen nach den Morden noch im Haus gewohnt? Sich am Rauchfleisch bedient, zwei Dachziegel auf dem Dach verschoben um heraus schauen zu können? Im Heu gelegen, was zwei im Heu gefundene Kuhlen belegen sollen? Neben den Kuhlen sollen Essensreste und Notdurft-Haufen gefunden worden sein. Stammen diese von vor der Tat (seltsame Geräusche auf dem Dachboden) oder erst nach der Tat? Hätten Andreas Gruber diese Haufen und Kuhlen nicht schon in den Tagen vor der Tat auffallen müssen? Waren diese Kuhlen Zeugnis des weiterhin bestehenden Verhältnisses von Andreas und Viktoria? Wurden die Tiere nach der Tat notdürftig versorgt damit sie nicht laut und unruhig werden und Passanten Verdacht schöpfen? Angeblich habe der Zimmerman Michael Plöckl spätabends auf dem Heimweg am 01.04.1922 einen rauchenden Kamin am Backofen bemerkt, wer hat dort ein Feuer gemacht? Die Bewohner waren zu dem Zeitpunkt schon tot.  Und warum wurden die Leichen im Stadt gestapelt und mit Heu und der Türe zugedeckt? War der Hund beim Besuch des Monteurs tatsächlich vor dem Haus angebunden? Und wer hat ihn dann wieder in den Stall gesperrt?

Nach dem Auffinden der Leichen machte die Mitteilung, das auf Hinterkaifeck alle erschlagen wurden rasend schnell die Runde, ein regelrechter Mord-Tourismus führte sämtliche Nachbarn auf den Hof wo sie herum geführt wurden, die Leichen konnten begafft, die Wohnräume und Gebäude besichtigt werden. Dadurch wurden sicherlich auch viele Hinweise und Spuren vernichtet, Augenzeugen berichteten in Aussagen, dass sie alle Blut der Opfer an den Schuhen hatten und so durch den Tatort und das gesamt Gebäude gelaufen sind. Erst die eintreffende Polizei sperrte das Gebiet ab. Bei der Obduktion schneidet der zuständige Neuburger Landgerichtsarzt Johann Baptist Aumüller auf einem provisorischen Seziertisch auf dem Hof allen sechs Leichen die Köpfe ab. Damit beginnt ein besonders bizarres Kapitel der jahrzehntelangen Ermittlungen. Die Münchener Polizeiführung neigt in jenen Jahren okkulten Kreisen zu, im Zusammenhang mit der Aufklärung von Fememorden im rechtsextremistischen Milieu werden Hellseherinnen eingeschaltet. Auch im Fall Hinterkaifeck organisiert die desorientierte Polizei eine Séance. In Nürnberg befassen sich zwei weibliche Medien mit den Köpfen der Leichen. Die Sitzungen werden in Gegenwart des Ersten Staatsanwalts Ferdinand Renner protokolliert. Eines der Medien beschreibt einen der Täter mit den Worten: „Hat etwas Scheues an sich, hässliches Lachen, noch jünger, Furche im Gesicht, im Blick etwas Stechendes, kann sich sehr verstellen.“ Die sechs Köpfe/Schädelkalotten verlieren sich später irgendwo in den Wirren der Weimarer Republik und den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs.

Der Hof Hinterkaifeck wurde ca. ein Jahr nach dem Mord abgerissen, dabei fand sich auch die bis dahin verschwundene Mordwaffe, die Reuthaue, in einem Fehlboden auf den Dachboden. Trotz des Fundes konnte bei den Ermittlungen kein Fortschritt gemacht werden.

Im Jahre 2007 wählten sich 15 angehende Kriminalbeamte an der Fachhochschule für Verwaltung und Recht in Fürstenfeldbruck bei München den Mordfall Hinterkaifeck für ihre Studienabschlußarbeit aus. Diese Gruppe  hat eine ausführliche Projektarbeit zu dem Thema gemacht und wollte prüfen, ob der Fall mit den heute zur Verfügung stehenden Mittel damals hätte gelöst werden können. Als Fazit steht darin, dass unabhängig voneinander mehrere Arbeitsgruppen zum gleichen Schluss gekommen sind, wer der wahre Täter sein konnte. Allerdings gibt es eben keine stichhaltigen Beweise, weswegen sie diese auch nicht öffentlich machen können. Dennoch geben sie Hinweise auf den Täter und wer sich mit den Ermittlungen befasst und auf verschiedenen Seiten informiert hat, kann daraus erkennen, wer gemeint war.  Im Bericht steht: „Zu vieles spricht für ihn, fast nichts gegen ihn. Angefangen von Ermittlungspannen, beharrlicher Ausschluss als Hauptverdächtiger, nicht nachvollziehbare Handlungen des Staatsanwaltes und auch vorhandene Ortskenntnisse, um nur einige zu nennen.“ Allerdings gibt es seitdem neue Erkenntnisse, so dass die Gruppe und die damalige Leiterin heute Abstand zu dem damaligen Fazit nehmen.

Auch heute noch, fast 100 Jahre nach den Morden, bewegt die Tragödie noch die Gemüter. Es werden regelrechte Wallfahrten angeboten, eine Fremdenführerin macht Wanderungen und erzählt dabei die Geschichte, es gibt Internet-Foren voller Hobby-Ermittler. Der Mythos Hinterkaifeck wird auch in den nächsten Jahren sicherlich noch die Gemüter erhitzen, ich persönlich glaube nicht daran, dass der Fall jemals aufgeklärt wird. Da müssten schon stichhaltige Beweise in irgendeinem Nachlass auftauchen. Ob diese aber öffentlich gemacht werden? Wer möchte schon einen 6-fachen Mörder unter seinen Vorfahren haben?

Es wurden zu diesem Mordfall verschiedene Bücher veröffentlicht, z.B. „Der Mordfall Hinterkeifeck von Peter Leuschner“, und Filme wie z.B. „Tannöd“

Quellenangaben: Hinterkaifeck.net ; Hinterkaifeck.ch ; allmystery.de ; hinterkaifeck-mord.de ;

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