Fitzharris, Lidsey – Der Horror der frühen Medizin

 

Klappentext:
Grausig sind die Anfänge der Medizin: Leichenraub, blutige Operationen wie Kirmesspektakel, Arsen, Quecksilber, Heroin als verschriebene Heilmittel. Mitte des 19. Jahrhunderts ist das Unwissen der Ärzte sagenhaft, wie sie praktizieren, ein einziger Albtraum. Bis ein junger Student aus London mit seinen Entdeckungen alles verändert … Lindsey Fitzharris erzählt vom Leben dieses Mannes und vom Horror, den ein einfacher Arztbesuch damals bedeutete – schaurig, unterhaltsam, erhellend.

Das Buch beginnt mit der Beschreibung einer Oberschenkelamputation im Jahr 1846, hunderte Männer strömten in den Saal um dabei zuzusehen, es ging zu wie in einem Theater. Es gab ein Gerangel um die besten Plätze, der Platz um den OP-Tisch musste sogar geräumt werden. Und dies alles in Strassenkleidung in denen der Dreck Londoner Strassen klebte. Das OP-Team inklusive des Chirurgen war allerdings nicht sauberer!

Die Beschreibungen der Zustände damals erzeugen eine Gänsehaut: Operationen fanden statt mit blutverkrusteten Kitteln, die Hände wurden nur selten gewaschen, die Instrumente waren unsauber. Warum sauber machen wenn sie ja doch gleich wieder schmutzig wurden?
Kein Wunder dass das Überleben dieser Operationen und des nachfolgenden Aufenthalts in einem Krankenhaus pure Glückssache waren. Bis Joseph Lister, ein junger Chirurg, begann die Ursachen der hohen Sterblichkeitsrate und deren Bekämpfung zu erforschen.

Die Erklärungen der Autorin zu den verschiedenen Tätigkeitsfeldern von Ärzten und Chirurgen und die Entwicklung vom Chirurg, eines einfachen Handwerkers, bis zum angesehenen Facharzt waren sehr detailgenau und ausführlich, wie auch der Rest des Buches. Trotz dieser Auführlichkeit war das Buch sehr leicht zu lesen, alle Erklärungen sind leicht verständlich, auch für Laien die mit dem Thema ansonsten eher weniger zu tun haben.

Die Autorin bedient sich einer sehr bildhaften Sprache, man kann den Gestank des Londons im 19.Jh förmlich riechen. Die Beschreibungen des Seziersaals in dem die Studenten lernten, könnten ebensogut aus einem Horrofilm stammen, waren aber erschreckende Realität für die Menschen damals. Immer wieder werden Zitate und Augenzeugenberichte eingefügt, somit ergibt sich ein schlüssiges Gesamtbild.

Ich war sehr gefesselt von der Geschichte, von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung.

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